Gastfreundliche Integration

Wir sind Bürgerinnen und Bürger aus Neufahrn und Umgebung, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Flüchtlinge, die unserer Gemeinde zugewiesen wurden, bei der Bewältigung des Alltags zu unterstützen und zu begleiten. Wir möchten zunächst einmal nur gastfreundlich sein und dann versuchen, die "Neuen" mit unserer Gesellschaft bekannt zu machen und ihnen den Weg zur Integration, den sie selbst gehen müssen, zu öffnen.

Eine Flucht stellt Menschen vor kaum nachvollziehbare Herausforderungen. Wie groß muss beispielsweise die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung sein, die ganze Familien dazu treibt, eine vorübergehende Unterkunft in einem Flüchtlingslager aufzugeben und sich auf einen lebensgefährlichen Weg nach Europa zu machen, auf dem nicht einmal die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Hygiene und Schlaf befriedigt werden können und der keineswegs in eine sicherere und hoffnungsvolle Zukunft führt.

Welche Notsituationen es auch sind, die Menschen dazu bewegen, ihre Heimat aufzugeben: Sie brauchen Hilfe, um in einem für sie fremden Umfeld Fuß zu fassen. Wir fühlen uns diesen Menschen in Not verpflichtet und möchten sie unterstützen. Wir glauben, dass der persönliche, menschliche Einsatz von Ehrenamtlichen ebenso wertvoll ist wie der der offiziellen Stellen. Und die Erfahrung zeigt, dass ehrenamtliches und professionelles Engagement meist sehr nahe beieinander liegen.

Offen für andere Gewohnheiten

Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, kommen aus einem anderen Land, einer anderen Kultur. Sie haben eine andere Sprache, andere Werte und Normen, andere Familienstrukturen, andere Gewohnheiten. Davor muss niemand Angst haben. Auch wir Bürgerinnen und Bürger verhalten uns ja auch nicht allesamt gleich: Das hängt davon ab, wie wir erzogen worden sind, welche Ausbildung wir durchgemacht haben, ob wir in der Stadt oder auf dem Land groß geworden sind und welche Hobbies und Interessen wir haben. Das gilt für alle Menschen, für Afghanen, Roma oder Kurden, für Syrer, Tschetschenen und u.a.

Man vergisst am besten alles, was man über „die Bayern“, „die Araber“ oder „die Afrikaner“ im Allgemeinen gehört hat. Wir haben es nie mit „allen“ Flüchtlingen oder mit "allen Moslems" zu tun, sondern immer nur mit einer Person, die entsprechend ihrer jeweiligen Situation und ihrem Umfeld agiert.

Auch wenn sich Werte und Normen, Gewohnheiten oder Strukturen in den Kulturen und Gesellschaften unterscheiden: Es geht darum, den Anderen kennen zu lernen und zu respektieren. Es geht nicht darum, andere Gewohnheiten „gut“ oder „schlecht“ zu finden. Wenn wir selbst in Deutschland andere Gewohnheiten haben als die Flüchtlinge, stellen wir diese gerne vor, aber ohne damit zu werten, was besser oder schlechter ist.

Wenn wir glauben, dass bestimmte mitgebrachte Gewohnheiten hier nicht passend sind, dann weisen wir die Flüchtlinge darauf hin, ohne sie zu bevormunden. Für jemanden, die oder der neu in Deutschland ist, ist oft unklar, welche der mitgebrachten Verhaltensweisen hier sinnvoll und akzeptiert sind und welche eher nicht zielführend sind. Einwandernde brauchen Zeit, andere Verhaltensweisen und andere soziale Standards kennen zu lernen. Geduld und Respekt ermöglichen einen guten Umgang mit solchen Unterschieden.

Obendrein erweitern wir dadurch unseren Horizont über Neufahrn, über Bayern und über Europa hinaus.

Wir

  • werden offen und neugierig für Neues,
  • werden uns bewusster um unsere eigenen Werte,
  • erkennen unsere Vorannahmen und Vorurteile,
  • erweitern unser (geschichtliches und gesellschaftspolitisches) Wissen,
  • erweitern unser Einfühlungsvermögen und unsere Sensibilität,
  • erweitern unsere Fähigkeit zur Selbstreflexion,
  • können gelassener werden,
  • werden flexibler in Umgangsformen und in Ausdrucksfähigkeit,
  • erfahren in einer globalisierten Welt kulturelle Vielfalt als Normalität
  • und lernen auch, uns selbst abgrenzen zu können
und nicht zuletzt können wir unseren Humor erproben und ausbauen.

„Stolpersteine“ im Rahmen des persönlichen Engagements

Es gibt aber auch Situationen, bei denen ehrenamtliches Engagement an seine Grenzen kommt. Dies kann zum Beispiel in der Asylverfahrensbegleitung, im Umgang mit Behörden, bei sozialrechtlichen Ansprüchen, bei Traumatisierung, Schulproblemen, Schuldenproblemen oder Suchtverhalten der Fall sein. Das gleiche gilt für Verhaltensweisen, die für uns nicht nachvollziehbar sind – auch hier stoßen wir Ehrenamtlichen bisweilen an unsere Grenzen.

Die größten Herausforderungen im ehrenamtlichen Engagement mit Flüchtlingen sind die Sprachbarrieren, denn der Gebrauch einer Verkehrssprache ist in den meisten Fällen nicht möglich. Kommunikation funktioniert aber auch durch den Einsatz von Händen und Füßen.

Auch die schulische oder berufliche Ausbildung entspricht nicht immer dem, was wir erwarten. Aber auch die Barrieren, die aus unterschiedlichen Formen der Kommunikation, manchmal auch aus fehlendem Vertrauen herrühren, bedeuten unerwartete Hindernisse im Umgang mit Flüchtlingen. Man muss – schon allein deshalb – immer damit rechnen, dass im Umgang mit Flüchtlingen Geduld und Ausdauer gefragt sind.

Es ist auch sehr wahrscheinlich, auf Verhaltensweisen oder Gewohnheiten zu stoßen, die einem fremd sind oder „unangemessen“ erscheinen. Ein klares Konzept, das man sich vielleicht ausgedacht hat oder Vorstellungen, die man für richtig hält, wie sich die Flüchtlinge hier integrieren sollten, sind dabei sicher fehl am Platz.

Meistens empfiehlt es sich, nicht vorschnell zu urteilen, sondern ein wenig abzuwarten und eventuell zu einem späteren Zeitpunkt auf das Thema oder Anliegen zurückzukommen. Gerade zu Beginn des Kontaktes ist es ratsam, viel Zeit zum Kennenlernen einzuplanen und Vertrauen aufzubauen. Für die Flüchtlingshilfe brauchen Sie Kommunikationsfähigkeit, Geduld und Verständnis.

Zuhören und behutsames Fragen (nicht „ausfragen“!) sind die Wege, die langsam zum Erfolg führen. Für die meisten Flüchtlinge sind die Signale, dass jemand echtes Interesse zeigt und sich zuwendet, zunächst vorrangig – und oft auch neu. Es braucht Zeit, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Verschlossenheit, Misstrauen, zögerliche Reaktionen sind vorhersehbare Verhaltensweisen. Es ist gut, wenn man diese Reaktionen akzeptieren kann und nicht als persönliche Zurückweisung einordnet.

Hierbei ist es wichtig, sich selbst von diesen Belastungen frei zu halten, um sich Vordringlicherem widmen zu können.

Wenn Sie Fragen haben oder helfen wollen, unseren Gästen einen schönen Start in Deutschland zu bereiten, melden Sie sich.

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